Das Heidelbeerhaus
Die Schwestern Anna und Tilda haben immer glückliche Ferien bei ihrer geliebten Tante auf dem Land verbracht, Heidelbeeren geerntet und im See gebadet. Auch als sie beide schon verheiratet sind, wird die Tante zum Fels in der Brandung, denn Annas
so innig geliebter Mann Roland kehrt gebrochen aus dem Krieg zurück, wird brutal und unberechenbar. Als Anna mit ihrer siebenjährigen Tochter zu ihrer Tante flieht, wo sich auch Tilda aufhält, dauert es nicht lange, bis Annas Mann sie und seine Tochter mit Gewalt nach Hause zurückholen will. Gemeinsam bewahren sie Schweigen darüber, dass Tilda Annas Mann in Notwehr erschlägt. Gleichzeitig führt dieses gemeinsame Wissen aber auch dazu, dass sich die drei Frauen 13 Jahre lang aus dem Weg gehen, bis die Tante ihre beiden Nichten und deren Töchter zu ihrem 75. Geburtstag einlädt. – Die Spannung des Romans resultiert daraus, dass Kissel die Story aus verschiedenen Perspektiven und unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Die sensibel gezeichneten Figuren tragen mit dazu bei, dass die im Rückblick erzählte Geschichte die einstige Rechtlosigkeit von (verheirateten) Frauen atmosphärisch wiederaufleben lässt.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Heidelbeerhaus
Ursula Kissel
HarperCollins (2026)
397 Seiten
kt.