Sein oder Spielen
Dominik Graf sind nicht nur die bislang meisten Grimme-Preise, die ein Regisseur erhielt, verliehen worden, die Vielfalt von Genres und Stoffen – zwischen großer Kinoleinwand und TV-Krimi hat stets sehenswerte Filme hervorgebracht. Jahrgang 1952
verfügt dieser Regisseur, zudem Kind zweier Schauspieler:innen, über reiche Erfahrung im Umgang und mit der Technik von Filmschaupielern, sodass sein Buch auf kluge und profunde Weise den Leser:innen einen wertvollen Blick auf die deutsche Filmgeschichte seit den 1970er-Jahren gibt. Sympathisch und gut beobachtet schildert Graf die Arbeit mit Filmschaupieler:innen, liefert neben unzähligen Anekdoten auch wesentliche Beiträge zu Besetzungsfragen, Nouvelle Vague und individuellen Spielweisen. Ebenso unzählig ist die Liste von Filmen, auf die Graf dabei referiert – und nicht nur die über 100 eigenen (darunter etliche Tatort-Krimis). Leider fehlt dem Buch sowohl ein Film-Register wie Namensregister und die Lässigkeit des Lektorats ist an vielen Stellen spürbar. Die recht eigenwillige, weil völlig verpixelte Fotoqualität rechtfertigt der Autor als „live mit Handy vom Monitor abfotografiert“. Sie kann aber letztlich wenig überzeugen. Das Buch versteht sich auch nicht als systematische und umfassende Darstellung der Filmschauspielerei in Deutschland (da wäre doch einiges über den DDR-Film zu sagen), sondern eher als Werkstattbericht eines auf die Arbeit mit den Schaupieler:innen konzentrierten, geachteten Regisseurs. – Grafs Erfahrungen und Betrachtungen sind durchaus lesenswert und den großen Beständen und allen Filmfreunden empfohlen.
Helmut Krebs
rezensiert für den Borromäusverein.
Sein oder Spielen
Dominik Graf
C.H.Beck (2025)
390 Seiten : Illustrationen
fest geb.