We burn daylight
Jaye und ihre Mutter brechen aus ihrem alten Leben in Kalifornien aus und folgen Perry Collen, einem selbsternannten, religiös fanatischen Propheten, ins öde Texas. Jaye steht dem Fanatiker, der sich „The Lamb“ nennt, sehr kritisch gegenüber,
trotzdem folgt sie ihrer Mutter in diese Glaubensgemeinschaft, die unter einfachsten Bedingungen im Hinterland von Waco lebt und versucht, sich mit Waffengeschäften über Wasser zu halten. Dort trifft sie auf Roy, den Sohn des zuständigen Sheriffs. Beide verlieben sich ineinander. Plötzlich interessieren sich die Regierung und das FBI für die bewaffnete religiöse Gemeinschaft und das Unheil nimmt seinen Lauf. – Bret Anthony Johnston möchte nicht die Ereignisse um David Koresh und das Massaker 1993 in Waco/Texas in seinem neuesten Werk beschreiben, aber dennoch beruht die Handlung auf diesen Ereignissen. Durch die Liebesgeschichte der beiden Teenager Jaye und Roy, jung, sperrig und verschroben, bekommen die Leser:innen einen Einblick sowohl in die Religionsgemeinschaft und deren Dynamik während der Belagerung als auch in die polizeilichen Schwierigkeiten und städtischen Machenschaften. Geschickt erzeugt der Autor durch sein sprachlich hohes Niveau eine bedrohliche Atmosphäre, ohne dass etwas Konkretes passiert wäre. Die eingeschobenen Podcast-Beiträge von Zeugen 30 Jahre nach den damaligen Ereignissen reflektieren die Geschehnisse aus heutiger Sicht und lockern den Roman geschickt auf. Es handelt sich um eine Mischung aus Coming of Age, Liebesgeschichte und Gesellschaftskritik, für alle Büchereien gut geeignet.
Elisabeth Kemper
rezensiert für den Borromäusverein.
We burn daylight
Bret Anthony Johnston ; aus dem amerikanischen Englisch von Sylvia Spatz
C.H.Beck (2025)
491 Seiten : Illustrationen
fest geb.