Geschönte Geschichte
„Fake News“ gab‘s also schon in der Antike? Nach dem Motto „Politisch gelogen, Fakten geschönt, Ereignisse frei fabuliert“? Das wäre deutlich zu kurz gesprungen. Wieder einmal gelingt dem Althistoriker Alexander Demandt ein interdisziplinäres
Meisterwerk, das weit über ein paar Skurrilitäten bei Persern, Griechen, Römern hinausreicht. Der universal gebildete Autor vereint hier Kultur- und Ereignisgeschichte, Philosophie und Psychologie, Sprachwissenschaft und ein halbes Dutzend weiterer Expertengebiete zu einem Genre, für das ein Wort noch geschaffen werden muss. Bloß nicht versuchen, dieses Werk linear zu lesen! Oder erwarten, man könne mit ihm strukturiert Lücken im eigenen Wissen um die Antike schließen. Eher ist es die Teilnahme an einer Expedition durch die kartographierte Klassik, aber unter strikter Vermeidung aller ausgeschilderten Wege. Die elegante, geschliffene Prosa, kombiniert mit klaren, treffgenauen Methapern und Aphorismen, schafft ein Leseerlebnis außergewöhnlicher Art. Es braucht Disziplin, das Werk abschnittsweise zu genießen. Das Werk ist ein intellektuelles Vergnügen für alle historisch interessierten Laien und Wissbegierige in mindestens einer der oben genannten Disziplinen. Wer noch nichts von Alexander Demandt im Geschichtsregal hat, dem sei dieses Buch angeraten. Und allen andern erst recht.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Geschönte Geschichte
Alexander Demandt
C.H.Beck (2026)
603, [16] Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig)
fest geb.