Mädchen allein zu zweit
Issa und Grace sind beste Freundinnen, gehen als externe Schülerinnen auf ein Internat voller Rich Kids, geeint durch einen anderen Blick auf Geld, da beide Jugendlichen von alleinerziehenden Müttern großgezogen werden. Sie machen alles zusammen,
blicken auf das Leben gemeinsam: Grace mit einer scharfen, schnellen und radikalen Sichtweise, Issa, die Ich-Erzählerin eher zögerlich, überlegend. Sie ergänzen sich gut und gehen mit der Haltung durchs Leben, dass es schon irgendwie gut gehen wird, denn sie haben ja einander. Als allerdings Graces Brüste nach den Ferien plötzlich sehr groß geworden sind, stellt das ihre Welt auf den Kopf. Sie möchte sie unbedingt verkleinern lassen, denn mal abgesehen von dem Gestarre männlicher Mitmenschen, hat sie auch starke Schmerzen. Aber woher das Geld nehmen, wenn die Krankenkasse nicht zahlt, wie überhaupt eine Ärztin oder einen Arzt finden, ohne direkte Einverständniserklärung der Mutter? Klar, dass dann erstmal Issa zum plastischen Chirurgen nach Frankfurt mitfährt. Sie hat aber gerade auch selbst Sorgen, da ihre Mutter als Chorleiterin gerade so starke Geldprobleme hat, dass sie die Kosten für eine bereits getätigte Klassenfahrt nicht zahlen kann. Der Förderverein der Schule tagt … Und ausgerechnet mit einem Sohn von dessen Vorstand fängt Issa etwas an. Irgendwie schön, mit ihm zu knutschen. Und dann bietet er ihr auch noch an, ihr Geld zu leihen. Ziemlich viel Geld einfach so. Einfach so? Und könnte Issa nicht auch einfach die Summe an Grace weitergeben, damit diese sich operieren lassen kann? Und wie viel muss eine Brust wiegen, damit frau operiert wird? Ein Gefühls- und Körperwahnsinn. Dazwischen Kapitel von Grace bzw. deren Handbuch "Alphabet des Geldes", das kurze Anmerkungen und ihre Gedanken zu z.B. Billionären oder Schulden enthält. Und das geheime Tagebuch von Livvie, Issas kleiner Schwester, die das Reden eingestellt hat. Und irgendwie hängt alles miteinander zusammen. Leicht und schwer gleichsam. – Eine großartige Freundschaftsgeschichte mit zwei interessanten Hauptfiguren und ein Einblick in Gesellschaftsstrukturen, die nachdenklich machen. Gerne empfohlen für alle Bestände. Auch für erwachsene Leser:innen, die Bronsky, Wahl oder Wells schätzen oder natürlich Dröschers grandioses "Lügen über meine Mutter" (BP/mp 22/998).
Anna Winkler-Benders
rezensiert für den Borromäusverein.
Mädchen allein zu zweit
Daniela Dröscher
Beltz & Gelberg (2026)
186 Seiten
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 14