Wenn ich das 7. Geißlein wär'
Ein Krankenhauszimmer, zwei Kinder und gehörige Langeweile, das ist die Ausgangssituation für Karla Schneiders neuen, herrlich schrägen Bilderbuchtext. Die beiden Kinder beginnen zu fantasieren, was denn passieren würde, wenn der Jäger den Wolf
erwischen würde, bevor er dem Rotkäppchen begegnet. Dabei gehen sie nicht zimperlich vor, schütteln die altbekannten Märchenelemente gehörig durcheinander und spannen elegant den Bogen von diesem Wolf zu dem aus der Geschichte mit den sieben Geißlein. Da kracht es an allen Ecken, da passiert Verblüffendes, da schaukeln sich zwei Kinder zu immer tolleren Interpretationen hoch, um ihre Angst vor der bevorstehenden Operation zu bewältigen. Das findet seine adäquate Umsetzung in Stefanie Harjes' Bildern, die in einer Mischung aus dicken Buntstiftstrichen, Collagenschnipseln und kräftig-bunt unterlegten Bildhintergründen die heile Märchenwelt gehörig karikiert. Das ist zum Gruseln schön, befremdlich, widerspricht unseren Sehgewohnheiten und geht doch gerade dadurch den Märchen auf den Grund. Zugegeben, dies ist kein leicht konsumierbares, liebes Bilderbuch, aber ein Titel, der Kind und Vorleser Diskussionsstoff ohne Ende bietet.
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Wenn ich das 7. Geißlein wär'
Karla Scheider. Mit Ill. von Stefanie Harjes
Boje (2009)
[20] Bl. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5