Wahn

Frankfurt Anfang des 19. Jh. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen. Die Taten weisen ein gemeinsames Merkmal auf: Allen Opfern wurde das Gehirn entfernt. Zur Begutachtung der Leichen wird der Arzt Theophil Pontus herangezogen, womit auch seine Tochter Wahn Manon wieder die Gelegenheit bekommt, Nachforschungen anzustellen. Unterstützt wird die selbstwusste junge Frau von Johann, einem Journalisten. Die Spur führt nach einigen Irrungen und Wirrungen zu dem jungen Priester Caspar Heil, von dem sich herausstellt, dass er der Sohn des Wissenschaftlers Eugène Curvier ist, der mit seinen Theorien zum Einsatz elektrischer Kräfte die Medizin, aber auch das religiöse Weltbild der damaligen Zeit aus den Angeln heben wollte. Heil wurde von einem der Opfer, dem Priester Hoffmann, mit brutaler Gewalt 'christianisiert', doch der junge Mann hat seine Herkunft nie vergessen. – Nora Kains Fokus liegt auf dem Plot, der die Leser:innen bis zuletzt fesselt. Darin eingebunden sind die damaligen Zeitumstände, vor allem dort, wo thematische Schwerpunkte der Medizin und der Wissenschaft berührt sind. Die Figuren sind meist funktional skizziert und auf wenige Verhaltensweisen heruntergebrochen. Außerdem verwendet Kain wirksame, aber sich wiederholende dramaturgische und sprachliche Muster, wodurch der Roman an Authentizität verliert. Das ändert nichts daran, dass die Autorin mit diesem Buch einen gut recherchierten historischen Krimi vorgelegt hat, dem eines wohl nicht fehlt: schwarzer Humor.

Walter Brunhuber

Walter Brunhuber

rezensiert für den Borromäusverein.

Wahn

Wahn

Nora Kain
dtv (2026)

329 Seiten
kt.

MedienNr.: 625107
ISBN 978-3-423-26460-0
9783423264600
ca. 17,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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