Unser Buch der seltsamen Dinge
Miv blickt zurück auf ihre frühen Teenager-Jahre, die sie im britischen Yorkshire während der Thatcher-Ära erlebt hat. Der Familienhaushalt wird von ihrer Tante Jean geführt, da Mivs Mutter unter schweren Depressionen leidet. Mivs Vater arbeitet
viel und ertränkt sein Unglück anschließend im Pub. Weitestgehend sich selbst überlassen, sucht Miv daher Halt bei ihrer besten Freundin Sharon und dem Kreis der Erwachsenen aus der Nachbarschaft. Als ein brutaler Frauenmörder Yorkshire in Atem hält, will der Vater seine labile Frau schützen und wegziehen. Für Miv ein Alptraum und zusammen mit Sharon beschließt sie, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Mit kindlicher Naivität beobachten die beiden die gesamte Nachbarschaft, spüren Verstecke in verlassenen Industriestätten auf, kommen einem Pädophilen, Rechtsextremen und einem gewalttätigen Ehemann auf die Spur und schließen, ganz nebenbei, noch neue Freundschaften mit dem pakistanischen Jungen Ishtiaq und dem ein paar Jahre älteren Paul. Bis zu dem Tag, an dem Sharon durch ein furchtbares Unglück aus ihrer Mitte gerissen wird und Miv erfährt, wie stark ihre Familien- und Freundschaftsbande tatsächlich sind. – Der Erstlingsroman ist eine wundervolle, warmherzige Geschichte über Familie, Freundschaft und die kindliche Naivität und Neugier, mit der der geheimnisvolle Mikrokosmos einer verschworenen Nachbarschaft erkundet wird. Eine herrlich nostalgische Coming-of-Age-Geschichte, die auch nicht mit gesellschaftlicher Kritik spart, die in Teilen Parallelen zu heutigen Themen aufweist. Sehr gerne empfohlen!
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Unser Buch der seltsamen Dinge
Jennie Godfrey ; aus dem Englischen von Susanne Keller
dtv (2024)
461 Seiten
fest geb.