Herz in der Faust
1927 kommt der 13-jährige Jules Bonneau in eine Besserungsanstalt auf der bretonischen Insel Belle-Ile-en-Mer. Dort werden die Kinder und Jugendlichen wie Sklaven gehalten. Sie werden regelmäßig gedemütigt, brutal geschlagen und sexuell missbraucht.
Auch wenn von sadistischen Wärtern alles getan wird, um den Jungen das letzte bisschen Menschlichkeit auszutreiben, entsteht zwischen Jules und dem jüngeren Camille so etwas wie Freundschaft. Nachdem sich Jules sieben Jahre in die Freiheit geträumt hat, kommt es bei einem Abendessen zu einer Revolte. Seit Jahren aufgestaute Wut entlädt sich bei den Jugendlichen in einer Gewaltorgie. 56 Jugendlichen gelingt die Flucht aus der Anstalt. Jules ist der Einzige, der nicht wieder gefasst wird. Er taucht bei einem Fischer unter, der ihn als seinen Neffen ausgibt. Zum ersten Mal in seinem Leben erfährt der Junge Güte und Freundlichkeit. Als er endlich glaubt, in Sicherheit zu sein, holt ihn seine Vergangenheit ein. – Der vielfach ausgezeichnete Journalist und Autor Chalandon lässt seinen Protagonisten zwischen Umgangssprache, Reflexionen und Träumen wechseln. Trotz aller Gewalt und Grausamkeit stechen sanfte und helle Momente der Menschlichkeit hervor. Große Empfehlung für diesen spannenden und bewegenden Roman!
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Herz in der Faust
Sorj Chalandon ; aus dem Französischen von Brigitte Große
dtv (2025)
399 Seiten
fest geb.