Der Traum vom goldenen Ei
Serena Kutchinsky, eine preisgekrönte englische Journalistin, erzählt ihre Familiengeschichte. Sie beginnt mit der Auswanderung ihres jüdischen Urgroßvaters mit seiner Familie aus dem zaristischen Russland Ende des 19. Jh. nach London. Sie riskierten
alles, um nach London zu kommen. Irgendwann entlang ihres Weges ging die ursprüngliche Schreibung des polnischen Familiennamens verloren und wurde anglisiert. Nach und nach machten sie sich daran, ein neues Leben aufzubauen. 1906 wurde mit einem kleinen Uhrmacher-Laden der erste Kutchinsky-Laden eröffnet. Die Familie wuchs und mit ihr auch das Geschäft. Aus dem kleinen Uhrmacher-Laden wurde im Laufe der Jahre eine Schmuckmanufaktur und Diamantenhandlung in erstklassiger Londoner Lage. Als Serenas Vater Paul den Betrieb übernimmt, gehört die Firma zu den ganz großen Juwelieren der Welt und die Familie ist in der Welt des Jetsets zuhause. Ende der 1980er Jahre erfüllt Paul sich einen Traum und baut – als Reminiszenz an Fabergé – das größte Juwelenei der Welt. Als dieses sich aber nicht verkaufen lässt, geht dadurch der Familienbetrieb zugrunde. – Serena Kutchinsky erzählt sehr anschaulich, spannend und mit vielen authentischen Einblicken den Aufstieg und Untergang der Londoner Juwelier-Dynastie Kutchinsky. Für die Beschreibung der Anfänge, zu denen sie keine Zeitzeugen mehr befragen kann, stützt sie sich auf historische Quellen. Danach bilden die Erinnerungen ihrer Familie, der Firmenmitarbeiter und zeitnahe Quellen die Grundlage ihrer Schilderung. Diese Geschichte der Juwelier-Marke Kutchinsky spiegelt auch die Geschichte des 20. Jh. wider und gibt einen Einblick in den jeweiligen Zeitgeist. – Ein Sachbuch, das trotz vieler Informationen spannend zu lesen ist. Interessant für geschichtsinteressierte Leser, die das letzte Jahrhundert aus der Sicht jenseits „einfacher Bürgerlichkeit“ und nüchterner Fakten mal aus einem anderen Blickwinkel nacherleben möchten.
Heike Scherer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Traum vom goldenen Ei
Serena Kutchinsky ; aus dem Englischen von Claudia Amor
dtv (2026)
379, [8] Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig)
fest geb.