I'm a girl, you're a boy
"Wir leben in Zeiten der Finsternis, der Trauer und des Schreckens". Mit dieser Feststellung beginnt die Abiturienten Tal aus Jerusalem ihren Bericht über ein Bombenattentat in ihrer Nähe. Die Aufzeichnungen lässt sie als Flaschenpost von ihrem
Bruder, einem Soldaten, nach Gaza bringen. Einige Zeit später erhält sie per Mail eine Antwort von einem jungen Palästinenser, der anfangs nicht viel von sich preisgibt. Obwohl die beiden jungen Leute nur hundert Kilometer voneinander entfernt leben, sind es zwei verschiedene Welten. Erst als Tal den jungen Mann von ihrer liberalen Einstellung überzeugen kann, ist er bereit für eine Annäherung. Nach und nach gewährt er Einblick in seine persönliche Situation, in die seiner Familie und in die Ausweglosigkeit einer ganzen Generation. Es stört ihn, dass es sie "draußen" nur noch im Plural gibt: die Palästinenser. Die armen oder die bösen, je nachdem. In seinen Mails verbinden sich Wut und Witz, Hoffnung und Enttäuschung. Ist er bereit für eine Freundschaft? Das beachtenswerte Buch bietet einen differenzierten Blick auf einen der brisantesten politischen Konflikte unserer Zeit und hat seit der Erstveröffentlichung u.d.T. „Leihst du mir deinen Blick?“ (BP 06/612) 2006 leider nichts an Aktualität verloren. Sehr empfehlenswert!
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
I'm a girl, you're a boy
Valérie Zenatti ; aus dem Französischen von Bernadette Ott
dtv (2024)
191 Seiten
kt.