Der Schlüssel würde noch passen

Für ihre gesellschaftspolitische Tätigkeit erhielt die Menschenrechts-Organisation „Memorial“ 2022 den Friedensnobelpreis. Ihre Mitbegründerin Irina Scherbakowa blickt auf ihr Leben und all die politischen Veränderungen in Moskau zurück. In Der Schlüssel würde noch passen der Zeit der Perestroika unter Gorbatschow beginnt die Zeit der großen Hoffnungen. Jetzt nutzen die Menschen Meinungsfreiheit, suchen die „Wahrheit“ über die vergangenen Jahrzehnte unter Stalins totalitärer Herrschaft. Geheime Archive werden geöffnet und Opfer rehabilitiert. „Memorial“ ruft in den späten 80er-Jahren zu einem Schülerwettbewerb auf, der zum ersten Mal die sowjetisch/russische Geschichte hinterfragen soll. Tausende junge Menschen nehmen daran teil und bringen erschütternde Zeugnisse ans Licht. In den 90er-Jahren versinkt Russland im Chaos. Die Menschen müssen für Lebensmittel Schlange stehen (manchmal ist diese länger als die vor dem Lenin-Mausoleum), Kriminalität und Raubüberfälle sind an der Tagesordnung. Unter Präsident Putin und seiner Propaganda kommt neuer Nationalismus auf. Viele sehnen sich nach Autorität und Härte. Die dunkle Seite der Sowjet-Zeit wird zurückgedrängt und „Memorial“ als Bedrohung angesehen. 2021 wird sie verboten. Irina Scherbakowa verlässt ihre Heimat Richtung Israel, danach lebt sie in Berlin im Exil. Im Schlussteil des Buches spricht sie ein vernichtendes Urteil über Putin, seine KGB-Laufbahn und seine Lügen aus. Das Buch ist nicht optimistisch. Der Autorin bleibt nur die Hoffnung. Vielleicht gibt es irgendwann doch eine Rückkehr, „denn der Schlüssel würde noch passen.“

Berthold Schäffner

Berthold Schäffner

rezensiert für den Borromäusverein.

Der Schlüssel würde noch passen

Der Schlüssel würde noch passen

Irina Scherbakowa ; aus dem Russischen von Jennie Seitz und [einer weiteren]
Droemer (2025)

317, [8] Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig)
fest geb.

MedienNr.: 620619
ISBN 978-3-426-44666-9
9783426446669
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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