Tage wie Salzwasser
Durch einen Beinahe-Unfall begegnen sich zwei sehr unterschiedliche Frauen, die derzeit beide in einer persönlichen Krise stecken. Da ist die schwangere Mathematikerin Atlanta, die vor Kurzem ihren Lebenspartner Malte durch Suizid verloren hat. Sie
ist verzweifelt, sucht nach dem Grund und kann sich nicht vorstellen, alleinerziehende Mutter zu sein. Hinterlassen hat ihr Malte vier Anschriften in Freiburg, Marseille, Barcelona und Noto (Sizilien). Dort hofft sie, Antworten zu finden auf die Frage nach dem Warum, denn sie waren doch glücklich zusammen. Und die herbe, introvertierte Halb-Italienerin Enza, die in Bad Vilbel eine Fahrradwerkstatt betreibt und mit ihrer Mutter Hilde, nach dem gewaltsamen Tod des Vaters, eng verbunden ist. Doch jetzt möchte ihre kranke Mutter, dass sie aufbricht, um auf Sizilien endlich ihre Verwandten väterlicherseits kennenzulernen. Dazu hat Enza eigentlich gar keine Lust, will sie doch ihrer Mutter beistehen. So beginnt die ungeliebte Reise für die beiden Frauen, die sie körperlich und seelisch herausfordern wird. Doch auch an Tiefpunkten begegnen sie immer wieder selbstlosen Menschen, die ihnen unkompliziert weiterhelfen. Es entspinnt sich eine zärtliche Freundschaft zwischen ihnen; und so schaffen sie es mit Unterbrechungen und Umwegen, auf Sizilien Antworten und neue Perspektiven für ihre Lebenssituationen zu finden. – Ein einfühlsamer, aufmunternder Debütroman, der gekonnt die Gefühlslagen von Atlanta und Enza beschreibt. Denn manchmal lohnt es, trotz Widerwillens aufzubrechen, den eingefahrenen Alltag hinter sich zu lassen, um durch neue Erfahrungen und Begegnungen das Leben wieder meistern zu können. Gerne empfohlen für eine breite Leser:innenschaft.
Karin Steinfeld-Bartelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Tage wie Salzwasser
Sita Maria Frey
Droemer (2025)
318 Seiten
fest geb.