Aus kurzer Distanz
Dr. jur. Felix Brych wurde in den Jahren 2017 und 2021 als Weltschiedsrichter ausgezeichnet. Dazu kommen auch noch fünf Auszeichnungen als DFB-Schiedsrichter des Jahres. Beruflich ist er Abteilungsleiter im Bayerischen Fußball-Verband. Im ersten
Abschnitt, in dem er schildert, wie er bei der Weltmeisterschaft 2018 bis zum letzten Vorrundenspiel warten musste, obwohl er in der Schiedsrichter-Rangliste ganz weit oben stand, zeigt u.a., welche sport- und politischen Hintergründe bei der Auswahlkommission eine Rolle spielen. Endlich kommt der Einsatz beim Spiel Serbien gegen die Schweiz. Da viele Schweizer Spieler aus dem Kosovo stammen, waren die Spannungen vorauszusehen. In einer Situation, die man als Strafstoß ahnden hätte können, gab Brych den Serben den von ihnen geforderten Elfmeter nicht. Wenn man weiterliest, dass daraufhin ein Serbe forderte, dass der Schiedsrichter vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verurteilt werden müsste, merkt man sehr schnell, welche Bandbreite an Emotionen es beim Fußball geben kann. Diese Diskussionen führten dazu, dass Brych keinen weiteren Einsatz bei dieser Weltmeisterschaft bekam. Nach diesem kritischen Einstieg in sein Buch geht es im nächsten Abschnitt um Gerechtigkeit und Selbstbewusstsein. Auch Nähe und Distanz sind Extreme, zwischen denen sich ein Schiedsrichter bewegen muss. So beschreibt der Autor auch den ganzen Bereich an Fähigkeiten, wie körperliche oder auch spieltechnische Vorbereitung, die ein Schiedsrichter abdecken muss. Nur schade, dass das Buch keine Fotos beinhaltet, aber alles ist so unterhaltsam, zum Teil sogar spannend geschrieben, dass man es allen Fußballinteressierten empfehlen sollte.
Gerd Fleder
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Aus kurzer Distanz
Felix Brych, Sven Haist
Econ (2023)
253 Seiten
fest geb.