Geister weinen nicht

Es ist Frühling. Im letzten Haus der Straße wohnt Alma allein, ohne Kontakt zur Außenwelt. Sie ist alt und taub und immer öfter geistig verwirrt. Gegen das Vergessen hat sie Merkzettel auf den Küchentisch geklebt, damit sie genug trinkt und unbedingt Geister weinen nicht die Standuhr, die "Bornholmerin" täglich aufzieht. Das hat früher ihr Mann Otto erledigt, der allerdings seit ein paar Monaten nicht mehr da ist. Kleine Hinweise lassen erahnen, dass etwas Ungeheuerliches geschehen ist, und bauen eine unterschwellige Spannung auf. Eines Tages entdeckt Alma einen kleinen Jungen, der mit seinem Hund spazieren geht. Täglich läuft er an ihrem Haus vorbei und sie beschließt zögerlich, sich bemerkbar zu machen, wäre es doch schön, einen Menschen um sich zu haben. Seit ihr Mann sich veränderte und zunehmend aggressiver wurde, haben sich Bekannte und Freunde von ihnen abgewendet. Zu ihrer Freude wagt es der Junge, zu ihr zu kommen und besucht sie seither regelmäßig. Auch er ist einsam, wird durch sein Stottern zum Außenseiter. Gemeinsam verbringen die beiden heitere Stunden. Unerklärlich ist Alma, dass der Kleine ausgerechnet an seinem Geburtstag und auch danach nicht mehr erscheint. Sie vermutet Schlimmes. Und endlich wagt sie es, sich an den Wintertag zu erinnern, an dem die Wut ihres Mannes eskalierte. – Die Gebrechlichkeit und Einsamkeit im Alter, das Erinnern an bessere Zeiten, die heilsame Kraft der Freundschaft sind Themen dieses herrlichen Romans, der schmunzeln und schaudern lässt.

Gabriele Berberich

Gabriele Berberich

rezensiert für den Borromäusverein.

Geister weinen nicht

Geister weinen nicht

Ane Riel ; aus dem Dänischen von Julia Gschwilm
btb (2024)

255 Seiten
kt.

MedienNr.: 618138
ISBN 978-3-442-77427-2
9783442774272
ca. 13,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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