Die blassen Herren mit den Mokkatassen
Sinnlos hat Herta Müller Seite für Seite Sätze und Wörter aneinander gereiht (und gelegentlich reimen sie sich - wohl versehentlich). So weit so gut - und inder modernen Poesie heute alltäglich üblich. Das Besondere aber daran: Die Autorin dichtet
mit der Schere! Sie zerschnipselt Gedrucktes in allen Farben und setzt aus den ausgeschnittenen Wörtern bunte Zeilen zusammen, wohl mehr nach ästhetischen als inhaltlichen Gesichtspunkten. Dazu wird jede Seite illustriert von einem ebenso sinnlosen Collagebild aus Fotoausschnitten, Katalogabbildungen u. ä. Das ganze ergibt ein sehr buntes Büchlein, das an Zeiten der Dada-Bewegung erinnert und wohl nicht so sehr gelesen werden soll, sondern nur angeschaut werden kann. Wie weit es ein "Wunderwerk der poetischen Phantasie" geworden ist, wie der Verlag behauptet, darüber kann mit Fug und Recht streiten. - Jedenfalls: für Büchereien überflüssig!
Georg Bergmeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die blassen Herren mit den Mokkatassen
Herta Müller
Hanser (2009)
[54] Bl. : zahlr. Ill. (farb.)
fest geb.