Die Bäume streifen durch Alexandria
In den 1960er Jahren trifft sich eine bunte, vielfältige Freundesgruppe in einer Bar in Alexandria. Sie - eine Französin, ein Grieche, ein Jude, ein Italiener und ein Araber - möchten Widerstand leisten gegen die ausländerfeindliche Politik der
Regierung Nassers. Als Freunde sprechen sie untereinander arabisch, denn allen ist gemein, dass sie sich als Weltbürger des kosmopolitischen Alexandrias verstehen. Doch mit der Machtübernahme Gamal Nassers und dessen Nationalismus treiben sie auseinander und nicht nur ihre kleine Gemeinschaft wird zerstört, sondern das multikulturelle Flair dieser legendären Hafenstadt. – Alaa al-Aswani, selbst im Exil lebend, gibt in seinem neuesten Roman nicht nur einen Einblick in das sich wandelnde Ägypten der 1960er Jahre, sondern er zeigt allgemeingültige Mechanismen auf, wie in dem schleichenden Entstehen einer Diktatur die Möglichkeiten jedes Menschen, Verantwortung zu übernehmen oder Widerstand zu leisten, immer geringer werden. Auch wenn die Figuren des Romanes eher dem gehobenen Gesellschaftsmilieus entsprechen, erleben wir Chantal, Abbas, Carlo, Tony und Anis mit ihren ganz eigenen Geschichten und daraus resultierenden Handlungen und Zwängen als Menschen wie du und ich. Während sich Ägypten unter dem Nasser-Regime zum nationalistischen Polizei- und Überwachungsstaat wandelt, werden die Freund:innen im weiteren Verlauf des Geschehens zu unerwünschten Fremden erklärt, enteignet oder gar aus ihrer Heimatstadt vertrieben. Trotz dieser Dramaturgie der Geschehnisse konnte mich dieser Roman nicht in Gänze fesseln. – Für eine politisch interessierte Leserschaft.
Silvia Eilers
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Bäume streifen durch Alexandria
Alaa al-Aswani ; aus dem Arabischen von Markus Lemke
Hanser (2025)
443 Seiten
fest geb.