Kreuz des Südens

Patagonien und Feuerland – kaum eine Region ist den meisten von uns wohl nicht nur räumlich, sondern auch von ihrer Geschichte, Kultur und Geographie entfernter. Noch weniger aber wissen wir wohl über die Biografien dreier Personen, die der Autor Kreuz des Südens zum Thema seines Buches gemacht hat. Da ist der gebürtige Slowene Janez Benigar, der 1908 seiner Heimat entflieht und in das Land der Aurakaner zieht. Als Ethnologe studiert er nicht nur die Kultur der indigenen Einwohner Feuerlands, er heiratet auch nacheinander zwei Araukaner-Frauen. – Knapp 50 Jahre früher kommt ein Anwalt namens Orélie-Antoine de Toulons aus dem Périgord in dieselbe Region. Der Abenteurer erster Güte kürt sich hier zum König des Reichs von Araukanien und Patagonien. Und da ist die piemontesische Nonne Angela Vallese mit ihren Missionsschwestern, die bei ihrer Ankunft in Feuerland von dem dort lebenden Volk der Ona zunächst für große Pinguine gehalten werden, die ihr Leben aber dem Kampf für die von den Weißen verfolgten Ur-Feuerländern weiht. – Drei völlig nebensächliche Personen in der Weltgeschichte, möchte man meinen. Aber wie es Magris gelingt, Interesse für die Vita dieser Menschen zu wecken, wie er mit deren Biografie zugleich Geschichte, Kultur, Politik dieser entfernten Weltregion erzählt, erklärt, deutet, wie er es schafft, aufgrund seiner ungeheuren Belesenheit immer wieder Querverbindungen zu Schriftstellern, Philosophen, Politikern zu ziehen, die irgendwie in Beziehung zum Süden Südamerikas stehen, ist faszinierend, spannend und verführt sofort zum Lesen. Ein wirklich außergewöhnlicher Erzähler, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Günter Bielemeier

Günter Bielemeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Kreuz des Südens

Kreuz des Südens

Claudio Magris ; aus dem Italienischen von Anna Leube und [einem weiteren]
Hanser (2025)

142 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 621450
ISBN 978-3-446-28252-0
9783446282520
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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