Achtsam geht die Welt zugrunde
Ausgehend von ihrem Podcast und zahlreichen Beispielen zeigt K. Fischer, wie eng moderne Achtsamkeitspraktiken inzwischen mit einer permanenten Selbstoptimierung verknüpft sind. Dabei geht die Autorin auch auf die Wurzeln im Buddhismus ein und macht
deutlich, wie weit sich viele heutige Angebote von deren ursprünglichen Gedanken entfernt haben. Erschöpfung lässt sich nicht durch Selbstfürsorge lösen, wenn ihre Ursachen in Leistungsdruck, prekären Arbeitsbedingungen oder sozialer Ungleichheit liegen. Die ständige Obsession zur Selbstverbesserung verhindert politisches Handeln, weil sie den Blick auf strukturelle Veränderungen verstellt und individuelles Wohlbefinden über gemeinschaftliches Engagement stellt. Kathrin Fischer schreibt klar, pointiert und gut verständlich. Wissenschaftliche Erkenntnisse verbindet sie mit aktuellen Beispielen und persönlichen Beobachtungen, wodurch ihre Argumentation lebendig und nachvollziehbar wirkt. Ein anregendes, streitbares Buch, das Denkanstöße und Lösungsansätze liefert und dazu einlädt, die eigene Haltung kritisch zu hinterfragen. Bereits für kleinere Bestände empfohlen.
Lieselotte Banhardt
rezensiert für den Borromäusverein.
Achtsam geht die Welt zugrunde
Kathrin Fischer
hanserblau (2026)
253 Seiten
fest geb.