Gibt es noch Sinn, Hoffnung und Trost?
Jean-Pierre Wils, ehemals u.a. Professor für Philosophische Ethik, versammelt seine Überlegungen in drei großen Kapiteln und richtet den Blick auf die gesellschaftliche Bedeutung von Sinn, Hoffnung und Trost. In eindrucksvoller, oft bildhafter Sprache
beschreibt er den "Mehltau der Verzagtheit", der sich über die Gegenwart gelegt habe. Unaufhaltsamer Mehrkonsum und die touristische Einverleibung der Welt führen nach seiner Analyse in eine existentielle Leere; moderne Konsumwelten verschleiern dabei eher die Wirklichkeit, als dass sie Orientierung böten. Statt Antworten zu liefern, formuliert Wils philosophische Denkanstöße. Im abschließenden Kapitel versteht er Trost als Form des Widerstands gegen Resignation und das Leiden an düsteren Zukunftsaussichten. Sein Plädoyer für ein "Unselfing" – das Zurücknehmen des Egos zugunsten solidarischer Bündnisse – bildet den konsequenten Schlusspunkt seiner Überlegungen. Der dicht gesetzte, konzentrierte Text verlangt hohe Aufmerksamkeit, belohnt aber mit einer klugen Zeitdiagnose und zahlreichen Impulsen zum Weiterdenken. Für philosophisch interessierte Leser:innen empfohlen.
Lieselotte Banhardt
rezensiert für den Borromäusverein.
Gibt es noch Sinn, Hoffnung und Trost?
Jean-Pierre Wils
Herder (2026)
236 Seiten
fest geb.