Unantastbar

Als Verfassungsorgan hochangesehen, in seiner Arbeitsweise aber nicht immer richtig verstanden. Und dabei von zentraler Bedeutung für das Zusammenleben in unserer komplexen Gesellschaft: das Bundesverfassungsgericht (BVerfG). Dessen ehemaliger Präsident Unantastbar präsentiert hier „seine“ Institution nicht als Lehrbuch, sondern als Streitschrift für den Souverän, den selbstbewussten Citoyen. Anhand von zehn aktuellen Konflikten erfährt der Leser, wie das BVerfG die Grundrechte eines jeden Staatsbürgers verteidigt. Schließlich ist das Grundgesetz eine Sammlung von Abwehrrechten des Einzelnen gegen Übergriffigkeiten von Politik, Wirtschaft und anderen Spielern mit Macht. Das geht jeden an. Papier gelingt es meisterlich, juristischen Sachverstand mittels einer engagierten, zuweilen flammenden Sprache und unter Nutzung lebensnaher Streitfälle nahbar zu machen. Er hält dabei nicht mit seiner persönlichen Meinung hinterm Berg. Die nicht selten ein Stück abseits des Mainstreams liegt. Ein paar Beispiele: Menschenwürde? Die beginnt schon vor der Geburt, Abtreibung damit keine Frage des Lebensstils. Ein AFD-Verbot? Bringt juristisch nichts und ist demokratieschädigend. Meinungsfreiheit? Geht sehr, sehr weit und ist im Zweifel auszuhalten. Weil Papier mit seinen Standpunkten mehr belebt als belehrt, lesen auch jeweils Andersdenkende die Passagen mit Gewinn. – Das Buch ist ein Mutmacher erster Güte, zudem geistig und sprachlich äußerst anregend. Bürgersinn zum Auftanken. Es sei jedem Bestand empfohlen.

Werner Wagner

Werner Wagner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Unantastbar

Unantastbar

Hans-Jürgen Papier ; mit Doris Mendlewitsch
Wilhelm Heyne Verlag (2026)

238 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 756299
ISBN 978-3-453-21930-4
9783453219304
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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