Der erste Frühling danach
Im Frühling 1946 kehren die überlebenden Männer des englischen Küstenortes Oakbourne aus dem Krieg zurück. Darunter auch Sir Steven Rayne, der für den Geheimdienst viele gefährliche Missionen hinter feindlichen Linien erfolgreich beendet hat.
Äußerlich unversehrt, hütet er ein schreckliches Geheimnis, das ihm Alpträume beschert und ihn von seiner jungen Frau Alice entfremdet. Als Herrin des Gutshauses versucht Alice, die Moral hochzuhalten und die Haltung zu bewahren, während sie alte Familienerbstücke an reiche Amerikaner verscherbelt, um die Schulden zu bezahlen. Gefangen zwischen der alten Bedeutung des Gutshauses für das Dorf und der heraufziehenden Moderne, in der die jungen Leute nicht länger auf die Empfehlungen der einstigen Herren angewiesen sind, versucht Alice eine Zukunft für sich und ihren traumatisierten Mann aufzubauen. Dabei findet sie Halt bei dem neuen Pastor des Ortes, der, obwohl selbst todkrank, versucht, für alle eine Stütze zu sein und seinem scheidenden Leben so einen Sinn zu geben. – Der tiefbewegende Roman erzählt zwar fiktive Lebensgeschichten, zeigt aber durch die vielen verschiedenen Charaktere sehr gut die tiefen körperlichen und seelischen Wunden auf, die ein Krieg bei allen Menschen schlägt. Egal ob einfacher Soldat, Offizier, Ehefrau, Arzt, Priester oder Kinder, alle sind gezeichnet und brauchen Hilfe und Zuneigung, um wieder zu sich selbst finden zu können. Auch wenn dies nicht allen gelingen kann. Ein Roman, der in diesen Zeiten noch lange nachhallt. Gerne empfohlen!
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der erste Frühling danach
Sarah Hardy ; [Übersetzung:] Stefanie Fahrner
Heyne (2024)
416 Seiten
fest geb.