Die Insel meiner Schwester
Beklemmend, bedrückend und beängstigend wirkt das Szenario, in das uns die schwedische Autorin in dieser Geschichte eintauchen lässt. Und dennoch will man den Roman, der sich beim Lesen zunehmend wie ein Thriller anfühlt, nicht mehr zur Seite legen,
so spannend erzählt die Autorin und so sehr wünscht man den Hauptprotagonistinnen Mirjam und Nia ein Entkommen aus ihrer ausweglosen Situation. Die beiden Frauen sind Halbschwestern und waren in ihrer Jugend unzertrennlich. Die letzten Jahre hatten sie wenig Kontakt zueinander, was vor allem an Nias toxischer Beziehung zu ihrem Mann Konrad liegt, der sie psychisch und körperlich misshandelt. Nia wird so stark von Konrad manipuliert, dass sie jedes Hilfsangebot von außen bisher ausgeschlagen hat und auch nach kurzer Trennung wieder zu ihm zurückgekehrt ist. Nach langer Funkstille wird Mirjam zu Nias 40. Geburtstag auf die einsame Schäreninsel eingeladen, wo Nia gemeinsam mit Konrad und dessen Hund lebt. Die sehr persönliche Einladung klingt für Mirjam wie ein Hilferuf. Obwohl sie sich selbst gerade in einer privaten Ausnahmesituation befindet, reist sie zu Nias Geburtstagsfeier an. Eigentlich sollten nur Frauen zu der Party kommen, doch Konrad scheint auch im Haus zu sein. Während sich die Situation drinnen immer mehr zuspitzt, zieht draußen ein heftiger Sturm auf und die Insel entwickelt sich zu einer Art Gefängnis für die Frauen. – Ein gelungener und gleichzeitig erschreckender Roman über destruktive Beziehungen und häusliche Gewalt, der das ganze Ausmaß der Auswirkungen auf die Opfer und ihre oft hilflosen Angehörigen beleuchtet. Mit Notrufkontakten für Betroffene im Anhang.
Elisabeth Brendel
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Insel meiner Schwester
Sara B. Elfgren ; aus dem Schwedischen von Karoline Hippe
Wilhelm Heyne Verlag (2026)
304 Seiten
fest geb.