else
Eingerahmt in zwei Beerdigungsszenen 2020 und 2011 vermitteln die Autorinnen diverse Frauenbilder, besonders aber die Facetten einer besonderen Persönlichkeit. Diese ordnet sich scheinbar einem dominanten Ehemann unter und wird von den Kindern und
Enkelinnen nur in ihrer Rolle als Mutter bzw. Großmutter wahrgenommen. Die Protagonistin Else akzeptiert das Leben an der Seite ihres Mannes Willy, der in den 60er-Jahren den gesellschaftlichen Aufstieg anstrebt, doch erduldet sie dessen Bevormundung und Seitensprünge nur nach außen hin widerstandslos. Erst mit über 80 Jahren, während einer Reise mit ihrer Enkelin Emma wird das Ausmaß ihrer geheimen Rebellion offenbar: Als erste Taxifahrerin Hessens behauptete sie sich in einer von Männern dominierten Welt. Else ist eine starke und weltoffene, tolerante Frau, die es wagt, ihre Freiheit auszuleben, ihren Freundinnen hilft und ihre lesbische Enkelin tatkräftig unterstützt. Bemerkenswert an ihr ist aber auch, dass sie bis zu ihrem Tod an ihrer Partnerschaft festhält, da sie ihren Mann trotz aller Widrigkeiten liebt. Einfühlsam, interessant und mit guter Beobachtungsgabe für Details geschrieben, ist dieser Roman zugleich Zeitzeugnis als auch eine Hommage an starke Frauen. Die in einigen Kapiteln mit Kurzfilmen, Musik oder Texten hinterlegten QR-Codes vermitteln ein multimediales Leseerlebnis. – Sehr empfehlenswert.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
else
Katharina Zorn & Jasna Fritzi Bauer
Kiepenheuer & Witsch (2025)
267 Seiten
fest geb.