Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
Die lebenslustige Buchhalterin Angelika Moser, selbst aus einfachen Verhältnissen kommend, gerät nach ihrer Ausbildung im Grand Hotel Frohner in Wien auf die schiefe Bahn, als sie von ihrem Chef gebeten wird, sich um eine „kreative“ Buchführung
zu bemühen. Sie soll die Finanzlage des Hotels wegen einer bevorstehenden Übernahme schlechter dastehen lassen und den privaten Luxus der Familie kaschieren. Als Angelika schwanger wird, der alkohol- und drogenabhängige Kindsvater in finanzielle Schwierigkeiten gerät und ihre demente Mutter in ein Pflegeheim muss, beschließt sie, auch sich aus dem Hotelvermögen erst kleine, dann immer größere Kredite zu gewähren. Jahre lang kann sie sich und ihrem Sohn ein angenehmes Leben gönnen, bis sie durch einen Zufall auffliegt. – An eine wahre Geschichte angelehnt, beschreibt die Autorin Vea Kaiser in ihrem neuen Roman das Leben der Protagonistin Angelika Moser – beginnend mit der nicht einfachen Kindheit, über das ausschweifende Nachtleben in der Jugend und als alleinerziehende Mutter eines schwierigen Sohnes, bis hin zur Chefin der Hoteladministration – mit Witz, Leichtigkeit und wienerischem Schmäh. Durch kurze Kapitel über ein mit Angelika im Gefängnis geführtes Interview bekommt der Roman einen besonderen Charakter. – Vielschichtiger, hervorragend erzählter, auch gesellschaftskritischer Roman, der allen Büchereien zu empfehlen ist.
Elisabeth Kemper
rezensiert für den Borromäusverein.
Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
Vea Kaiser
Kiepenheuer & Witsch (2025)
566 Seiten
fest geb.