Essen und essen lassen
Um es gleich vorwegzunehmen: Dieses Buch entlarvt und hält den Lesenden den Spiegel vor! Denn aktuell erleben wir eine Bedeutungsüberfrachtung des Essens – Essverhalten wird sogar mit dem Charakter verknüpft und der moralische Zeigefinger erhoben.
Die Autorinnen berichten aus eigener Erfahrung, lassen Ernährungstrends, Ideologien und die Prägung des Elternhauses einfließen. Ihr Credo: Essen nicht bewerten, nicht jeden Toast auf Nährwerte analysieren und ganz wichtig: kein Kommentar zu einem anderen Körper – niemals. Ohne aus den Augen zu verlieren, dass es Erkrankungen gibt, die mit Essen verbunden sind, plädieren die Autorinnen dafür, über das Thema gelassener und offener zu sprechen, ohne zu verurteilen – mehr Genuss, weniger Kontrolle. Abschließend haben sie zehn „Hacks“ zusammengestellt, die den Leser:innen helfen können, sich von starren Ernährungsregeln zu lösen und die Tonalität dahingehend zu verändern. Das Buch ist klug und aufrüttelnd geschrieben und stellt eine absolute Bereicherung als Diskussionsgrundlage zu unserer Esskultur dar.
Lieselotte Banhardt
rezensiert für den Borromäusverein.
Essen und essen lassen
Marlene Borchardt, Nora Burgard-Arp
Kösel (2026)
206 Seiten
kt.
Auszeichnung: Sachbuch des Monats