Im Herzen bist du unbesiegbar
Mit Ende 30 bereits eine Biografie in Buchform vorlegen, dürfte vermessen sein. Wer jedoch als Frau sehr früh Erfahrungen von Migration, Rassismus, elterlicher Gewalt gepaart mit gründlicher Kung Fu Bildung machte, dazu es versteht, plastisch und
authentisch zu erzählen, hat unseren Leser:innen etwas zu sagen. Mai Duong Kieu, 1987 im Norden Vietnams geboren, mit fünf Jahren nach Chemnitz gekommen, heute aus TV-Serien wie „Wilsberg“ und „In aller Freundschaft“ als Schauspielerin bekannt, ist so eine Persönlichkeit. Als 10-Jährige unterrichtete sie bereits in der väterlichen Kampfschule und die Loslösung von den Eltern, die noch ganz ihrer ostasiatischen Herkunftskultur verbunden blieben, bildet den roten Faden des Buches. Das Selbstbewusstsein und die Kraft dazu hat Kieu aus dem Kung Fu gewonnen. Wer der Vater ihrer vierjährigen Tochter ist, bleibt ebenso diskret verschwiegen wie andere, sonst in Schauspielerbiografien genüsslich ausgebreitete Privatheiten. Gerade darum ist der Blick in dies Leben, angereichert durch einige Kung Fu Übungen und vietnamesische Legenden und Sprichwörter, so unverfälscht und gibt ein beeindruckendes Beispiel weiblichen „Empowerments“. Die Sätze aus den Kung Fu-Lehren, die um Selbstüberwindung und jene Kunst der Kräftelenkung durch Anpassung und Achtsamkeit gehen, gipfeln schließlich im Satz: „Der stärkste Schlag ist der, den man nicht führt, weil das Herz schon Frieden gefunden hat“ (S. 65). In diesem Sinne erwartet die Leser:inenn ein schlicht erzählter und spannender Weg ins selbstbestimmte Leben. – Empfehlung für alle Bestände.
Helmut Krebs
rezensiert für den Borromäusverein.
Im Herzen bist du unbesiegbar
Mai Duong Kieu mit Andreas Matlé
Kösel (2026)
205 Seiten : Illustrationen
fest geb.