Gretas Männer
Lola erhält auf die Anzeige der Geburt ihrer Tochter Greta einen Brief von ihrer Großmutter Greta, die sie noch nie im Leben getroffen hat. Für ihre Mutter Marie ist über sie zu reden ein absolutes Tabu. Gegen Maries Willen nimmt Lola Kontakt mit
der alten Dame auf. Sie lebt als Rüstige in einem Seniorenheim und betreut dort ihren dementen Mann, ihren vierten Ehemann. Ihr Leben hat sie aufgezeichnet und daraus liest sie Lola immer wieder vor: Wie ihr erster Mann bei einem Motorradunfall ums Leben kam; wie Maries Vater in jungen Jahren an Krebs verstarb und dass sie den todkranken Dr. Haar nur geheiratet hatte, damit seine behinderte Tochter Hedie durch Adoption versorgt ist. Jahre später – Greta ist zum vierten Mal verheiratet – wagt das scheue Mädchen zum ersten Mal, Mama zu ihr zusagen. Offenbar verletzt dies ihre leibliche Tochter Marie sehr. Der Konflikt eskaliert, als Greta, Marie und der Ehemann auf Mallorca Urlaub machen. Da Hedie lebensgefährlich erkrankt ist, fliegt Greta nach Hause. Am nächsten Tag kommt der Ehemann nicht mehr vom Schwimmen im Meer zurück; die 19-jährige Marie ist allein mit der Ungewissheit. Greta kehrt so bald wie möglich zurück. Doch Marie bleibt lebenslang der Meinung, ihre Mutter hätte sie bewusst im Stich gelassen. – Die Autorin lässt Lola sich ganz langsam an die Wurzeln des Konflikts herantasten, schiebt Szenen mit dem dementen Gynäkologen dazwischen und auch solche, in denen Lola versucht, bei ihrer Mutter Marie ein Umdenken herbeizuführen. Die Charaktere sind vielschichtig angelegt; man spürt deutlich, wie sich Marie in ihrer Lebenslüge häuslich eingerichtet hat und andere von ihren Vorstellungen überzeugen will.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gretas Männer
Judith Reusch
List (2026)
269 Seiten
fest geb.