Die innere Oma
Das Innere Kind entdecken – das ist in der Psychologie und Psychotherapie seit Jahren eine effektive Methode, um längst vergessene Traumata und Verdrängungen aufzudecken und eine positive Einstellung zu sich selbst zu bekommen. Doch man kann in
einer Welt des ständigen Stresses, bei beruflicher Überforderung, privater Reizüberflutung, bei weltweiten Krisen und dem allseits propagierten Optimierungswahn auch mit heiler Kindheit psychische Probleme bekommen, vom Burnout bis hin zu veritablen Depressionen. Die Psychotherapeutin Franca Cerruti präsentiert in ihrem neuesten Buch ein Konstrukt, das hier viel helfen kann und Perfektionismus-Angst oder Schuldgefühle mindern: die „innere Oma“. Wie wäre es, so ihr Vorschlag, das eigene Leben mal aus der Sicht einer oder eines gealterten Ich zu sehen? Sich in die „innere Oma“ oder den „inneren Opa“ hineinzuversetzen, die/der einem sagt, dass man nicht alles meistern muss, um ein (selbst-)zufriedenes Leben zu führen? In 24 Kapiteln erklärt sie mit zahllosen praktischen Tipps, warum die „innere Oma“ der wohl zuverlässigste Ratgeber ist, wie man sie „erweckt“ und im Alltag zu Rate zieht und was die wesentlichen Punkte für eine neue „Not-to-do-Liste für mehr Gelassenheit“ sind. Cerrutis Ansatz ist nicht nur originell, sie schreibt auch für den Laien gut verständlich, mit viel Humor und Lebenserfahrung, so dass wohl jeder von der Lektüre dieses Buches profitieren kann.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die innere Oma
Franca Cerutti
Piper (2026)
269 Seiten
kt.