Niemands Töchter
Im Zentrum dieses Debütromans stehen vier Frauen: die beiden älteren, Marie und Gabriele, leben in den 1980er Jahren in West-Berlin, wo sich ihre Wege für einen kurzen, aber einschneidenden Moment kreuzen. Gabriele verlässt daraufhin die Hauptstadt
und zieht mit der neugeborenen Alma zu ihren Eltern, die in einem kleinen Dorf in der Eifel eine Bäckerei führen. Marie bleibt in Berlin und bekommt acht Jahre später ihre Tochter Isabell. Alma und Isabell, deren Leben der Roman abwechselnd verfolgt, sind zwar später beruflich sehr erfolgreich, haben aber emotionale Probleme, die nicht zuletzt von ihren Müttern und Großmüttern auf sie übertragen wurden. Als die beiden jungen Frauen schließlich aufeinandertreffen, füllen sie gemeinsam die Leerstellen ihrer Vergangenheit und können viele emotionale Knoten auflösen. – Die Schauspielerin und Drehbuchautorin Julia Hoersch webt in ihrem Debütroman ein komplexes Geflecht aus familiären Beziehungen. Kurze, chronologisch ungeordnete Kapitel setzen sich wie bei einem Puzzle Stück für Stück zu einem emotionalen Mehrgenerationenroman zusammen, der den Einfluss von Verschweigen und Verdrängen der Vergangenheit auf die eigene Identität aufzeigt. Die fragmentarische Erzählweise erfordert etwas Konzentration und Geduld, da man durch die zahlreichen Zeitsprünge und Perspektivwechsel leicht den Faden verliert und sich erst am Ende ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Für Fans von komplexen Frauenfiguren und emotionalen Familiengeschichten ist dieser Roman aber auf jeden Fall sehr lesenswert.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Niemands Töchter
Judith Hoersch
Piper (2026)
380 Seiten
fest geb.