Inverno
Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Caroline steht im Schnee im Central Park und wartet auf einen Anruf von Alastair, den sie seit 30 Jahren liebt. Obwohl sie zwei Ehen hinter sich hat und sich ihre und Alastairs Wege schon früh getrennt haben,
hat sie sich nie von ihm lösen können. Und obwohl schon bald klar ist, dass Alastair ein unzuverlässiger Mann ist, der sich lange nicht meldet und ständig in andere verliebt ist, lebt Caroline mit ihrer Vorstellung, die sie von ihm hat und mit ihrer Sehnsucht. Diese gilt auch einem versäumten Leben – hätte auch alles anders kommen können? – Die Erzählerin beschreibt Carolines Gedanken, ihr Leben, in vielen Episoden. Es geht nicht um eine lineare Handlung, sondern um eine Bestandsaufnahme von Carolines Gefühlen, ihrer Person und wie sie dazu wurde. Bisweilen geht es auch um die Frage, wie denn eigentlich von der Figur Caroline erzählt werden solle. Dieser Roman ist sehr eigenwillig und in präziser, doch poetischer Sprache geschrieben, der man anmerkt, dass sich die Autorin bereits als Lyrikerin einen Namen gemacht hat.
Julia Heß
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Inverno
Cynthia Zarin ; aus dem amerikanischen Englisch von Esther Kinsky
Suhrkamp Verlag (2024)
181 Seiten
fest geb.