Halbe Portion
Die Ich-Erzählerin wächst bei einer alleinerziehenden Mutter auf, die keine Arbeit findet und kein Glück mit ihren wechselnden romantischen Beziehungen hat. Geld ist ein omnipräsentes Thema, die Ausgabe jedes Cents wird sorgfältig erwogen. Ihre
Tochter drillt sie auf schulischen Erfolg und einen schlanken Körper, durch anhaltenden Entzug von Essen und weiterer körperlicher wie psychischer Bestrafungen. Als erwachsene Frau hadert die Erzählerin weiterhin mit ihrem Verhältnis zu Essen, leidet an Ess- und Zwangsstörungen, die ihren Alltag zu einer Belastung werden lassen. Auch beruflich steckt die Schriftstellerin in einer Sackgasse, doch auch hier erweist sich eine Umorientierung als schwierig. – In kurzen Kapiteln werden abwechselnd Ausschnitte aus der Kindheit und der Gegenwart der Ich-Erzählerin dargestellt. Durch die beinahe nüchterne Sprache entfalten die traumatischen Erinnerungen und zwanghaften Kalkulationen von Preisen und Kalorien eine noch größere Wirkung. – Gerne breit zu empfehlen.
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Halbe Portion
Elisabeth Pape
Suhrkamp (2025)
suhrkamp taschenbuch ; 5512
374 Seiten
fest geb.