Dann kannst du nicht mehr wegsehen
In diesem Roman hat die Autorin zwei Themenkreise in den Mittelpunkt gestellt: die psychischen Probleme der 16-jährigen Jella, die unter Sozialphobie leidet; und die Probleme von tierquälerischer Massentierhaltung bei der Erzeugung von Lebensmitteln
tierischer Herkunft. Als Jella auf eine Gruppe von Tierschutzaktivisten trifft, beginnt sie, ihre Sozialphobie zu überwinden und schließt sich der Gruppe an. Zunächst fühlt sie sich gut aufgehoben. Als sie jedoch hautnah das Tierleid erlebt, erleidet sie eine psychische Krise und schließt sich einer Gruppe mit extremeren Aktionen an. Allerdings führt die erste gemeinsame Aktion zum kompletten Zusammenbruch, nachdem sie ein sterbendes Ferkel aus einem Mastbetrieb mitgenommen hat. Bei dem nun folgenden klinischen Aufenthalt lernt sie, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, erkennt die Rolle ihrer Mutter und ihre eigene Verantwortung für sich selbst. Jellas Weg in zunehmende psychische Stabilität erlebt der Leser, ihre Rückschläge und Fortschritte und schließlich die Möglichkeit, die eigenen Grenzen zu kennen, zu akzeptieren und sich dabei innerhalb dieser Grenzen zu engagieren. Allerdings sind die Szenen von Tierquälerei so realistisch beschrieben, dass sensible Leser Probleme bekommen könnten. Wegsehen ist allerdings keine Lösung, auch das macht dieser empfehlenswerte Roman klar.
Lotte Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Dann kannst du nicht mehr wegsehen
Jana Fuhrmann
Thienemann (2025)
303 Seiten
kt.