Herzgrube
Das englische Barnsley ist kein wohlhabender Ort. Früher arbeiteten die Männer unter Einsatz ihres Lebens in der Kohlegrube, heute sind Callcenter die primären Arbeitgeber für die oft schlecht bezahlten Jobs. Simon verdient sich daher einerseits
über die Bereitstellung sexueller Videos im Internet etwas dazu, andererseits verfolgt er mit Auftritten als Drag Queen in örtlichen Clubs seine wahre Leidenschaft. Die offene Zurschaustellung seiner zweiten Identität außerhalb des Clubs sorgt jedoch für Spannungen mit seinem Partner, der auf einen Job bei der Polizei hofft und sich in der Öffentlichkeit eher bedeckt hält. Simons Vater Alex wiederum ist an dem gesellschaftlichen Zwang, seine Homosexualität in der konservativen Kleinstadt jahrzehntelang verstecken zu müssen, regelrecht zerbrochen. – Die Einblicke in das (Beziehungs-) Leben der Protagonisten werden ergänzt durch die Notizen und Aktionen eines universitären Forschungsprojekts, das die Erinnerungskultur und Identität der Stadt aufarbeiten möchte. So entsteht eine Abfolge kurzer, in der Perspektive alternierender Kapitel, die sich zu einem gesellschaftlichen Gesamteindruck zusammensetzen. Dahingehend ein etwas experimentellerer, aber eindrücklicher Roman – ab mittleren Beständen gerne zu empfehlen.
Herzgrube
Andrew McMillan ; aus dem Englischen von Robin Detje
Claassen (2025)
217 Seiten
fest geb.