Dschingis Khan
Das Buch schildert eine der unglaublichsten Karrieren der Weltgeschichte. Den Weg des Hirtenjungen Temüdschin aus der mongolischen Steppe zum „Khan aller Khane“, genannt Dschingis Khan. Er schuf in weniger als 30 Jahren das größte zusammenhängende
Reich der Weltgeschichte, das schließlich fast 200 Jahre überdauerte. Die beiden Autoren sind renommierte Vermittler historischer Themen für Laien. Und dazu Fernsehjournalisten; beide Aspekte prägen den Stil den Buchs. Da ist zum einen die Lust am Fabulieren über die komplexe, widersprüchliche Persönlichkeit des Protagonisten, seine Kultur und seine Zeit. Flüssig geschrieben und dabei in gut verdaubare Kapitel gegliedert, wirken weite Passagen ebenso spannend wie informativ. Allerdings scheinen zuweilen verbürgte historische Quellen mit Sagen und schwer überprüfbaren Überlieferungen verflochten. Was dann in ein Überschießen in Form und Ausdruck mündet. Schwülstige Aufzählungen, Satzschlangen voller Adjektive und eine fast jungenhafte Begeisterung für die Lebensweise der wilden Horden aus der Steppe. Etwas mehr emotionale Distanz zum Sujet hätte der Substanz gutgetan, aber das mag Geschmacksache sein. – Eine satte Geschichtserzählung mittels Geschichten ist das Buch allemal, quasi ein ZDF Terra X-Format in gedruckter Form. Für jeden Bestand geeignet.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Dschingis Khan
Gisela Graichen, Matthias Wemhoff
Propyläen (2026)
287, [16] Seiten : Illustrationen (teilweise farbig), Karten
kt.