Ein Wort, zehn Buchstaben
Dayton war bisher ein ganz normaler Schüler, eher unauffällig. Wegen einer Wette ließ er sich dazu verleiten, während der Lesung eines homosexuellen Autors das homophobe Wort mit zehn Buchstaben laut in die Aula zu rufen. Im weiteren Verlauf wird
er diesem Wort nicht mehr entkommen. Vieles geht ihm durch den Kopf, als er beim Direktor auf seine Strafe wartet. Von seinem Vater wird er mit Hausarrest belegt. Viel einschneidender wird für ihn, wie ihm seine Mitschüler begegnen, mit Hass und Ablehnung oder mit Bewunderung von denen, mit denen er nie zu tun haben wollte. Als zweiter Erzähler berichtet Farshid, Sohn iranischer Einwanderer, wie er Dayton, den allgemeinen Umgang mit Homosexuellen und die Entdeckung seiner eigenen homosexuellen Identität erlebt. Es liegt hier ein Coming of Age Roman der besonderen Art vor, bei dem die beiden jungen Männer an ihrer Identäts-Findung arbeiten. Zusätzlich geht es um Körperkult, der auch bei jungen Männern gefährliche Auswüchse annehmen kann. Hier ist es Farshid, der durch exzessives Training und fortschreitend paranoides Ernährungsregime seine Gesundheit gefährdet. Beide Jungen werden vom Autor direkt angesprochen, wodurch eine Ich-Erzählung mit Distanz entsteht. Das auslösende Wort wird nie genannt und hat im englischen Originaltitel sechs Buchstaben.
Lotte Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein Wort, zehn Buchstaben
Adib Khorram ; aus dem Englischen Christel Kröning
Carlsen (2026)
237 Seiten
kt.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 13