Ahmadjan und der Wiedehopf
Trotz einer erfolgreichen Grafiker-Ausbildung an der Kabuler Universität und einem Jobangebot als Bauzeichner interessiert sich der in ärmlichen Verhältnissen im Hindukusch-Tal aufgewachsene Ahmadjan mehr für Kunst, Kultur und das Lebensgefühl
der Hippies. In den 70er Jahren landet der Globetrotter in Hamburg, wo er an einer Kunstschule Malunterricht nimmt. Auf Reisen wird er jedoch ohne gültigen Pass wieder nach Afghanistan zum Kriegsdienst abgeschoben. Der Bürgerkrieg und der sowjetische Einmarsch führen den Soldaten wider Willen zurück nach Deutschland. Die bewegte Biografie ihres Vaters verschränkte Maren Amini mit Auszügen aus dem persischen Dichterklassiker „Die Konferenz der Vögel“. Nebencharaktere tauchen immer wieder in ganzseitigen, farbigen Zeichnungen als Vogelart auf. Die Charaktere legte die Cartoonistin als Strichmännchen im Walter Moers-Stil an, wobei sie Farbe als Signalwirkung für großformatige Landschaftsimpressionen oder surreale Einlagen einsetzt. Auch Gemälde ihres Vaters baute sie ein. Die Culture-Clash-Geschichte informiert nebenbei über die wechselvolle afghanische Historie. Wie in den Danksagungen bedauerte Ahmadjan Amini im Gespräch mit seinen Töchtern auf der Frankfurter Buchmesse das Verschwinden der Kultur in seiner Heimat aufgrund der Taliban-Diktatur, besonders die Unterdrückung von Frauen. Der künstlerisch und inhaltlich einfallsreiche Band ist ein Tipp für alle Büchereien.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Ahmadjan und der Wiedehopf
Maren und Ahmadjan Amini ; mit Auszügen aus: Die Konferenz der Vögel von Fariduddin Attar und Kunstwerken von Ahmadjan Amini
Carlsen Comics (2024)
238 Seiten : farbig
fest geb.