Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt
Die Ich-Erzählerin wächst in der aserbaidschanischen Community in Russland auf. Ausgrenzung erfährt sie von klein auf, auch Übergriffe und offene Ablehnung. Hinzu kommen Einschränkungen durch die archaischen Sitten in ihrer Familie, in der Frauen
kulturell bedingt nichts zählen und nur dazu da sind, das Leben der Männer zu bereichern. Unermüdlich beschäftigt sind ihre Hände, ihre Münder sollen nicht sprechen, und ihre oft buschigen Augenbrauen dürfen erst verheiratete Frauen zupfen, was der Autorin als junges Mädchen besonders schwerfällt. Als wäre dies nicht genug, leidet sie seit ihrer Kindheit an einer unheilbaren Krankheit, die ihren Körper unbeherrschbar macht. Diese Krankheit ist jedoch letztlich ihre Chance, ihrer traditionellen Rolle zu entfliehen und für ihre Hände eine andere Verwendung als die in ihrer Familie übliche zu finden – das Schreiben. Auf nur 138 Seiten eröffnet uns Dschabbarowa einen ganzen Kosmos an Gefühlen und Erfahrungen. – Ein sehr poetischer Debütroman, lesenswert!
Martina Häusler
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt
Jegana Dschabbarowa ; aus dem Russischen von Maria Rajer
Paul Zsolnay Verlag (2025)
138 Seiten
fest geb.