Der brennende Garten
Mit ihren vier Brüdern und den Eltern lebt die junge Sashi in Jaffna, einer Stadt im Norden Sri Lankas. Wie ihre Brüder möchte sie studieren und arbeitet hart für die Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium, hat sie es doch als Frau und Tamilin
besonders schwer. Gemeinsam gehen die Geschwister regelmäßig in die Bibliothek, um zu lernen. K, der Freund der Brüder, ist auch dabei. Es sind junge Leute, die gemeinsam scherzen, lachen und leben wie überall auf der Welt. Gerade dieser Blickwinkel von der heilen, alltäglichen Welt auf die kommenden schrecklichen Geschehnisse lässt hautnah und betroffen die Schrecken des Bürgerkriegs für die tamilische Bevölkerung mitfühlen. Gut recherchiert schreibt die Autorin davon, wie die Tamilen, die vor allem im Norden und Osten der Insel leben, der Regierung von Sri Lanka ein Dorn im Auge sind. Aufgrund der Diskriminierungen und ausgelöst durch das Pogrom gegen die Tamilen im Jahr 1983, das Sashi bei ihrer Großmutter in Colombo erleben muss und bei dem der älteste ihrer Brüder ermordet wird, bilden sich Widerstandsgruppen wie die Tamil Tigers. Von einer friedlichen Lösung zur Gründung eines eigenen Staats ist nicht mehr die Rede. Zwei Brüder schließen sich den Tigers an und Sashi findet ihre Aufgabe im Lazarett in der medizinischen Versorgung der Kranken und Verwundeten. Sie begleitet schließlich K, der durch einen Hungerstreik breite Aufmerksamkeit gewinnen möchte, um Forderungen für die tamilische Bevölkerung zu stellen. Den Verlust vieler geliebter Menschen muss Sashi im Verlauf des Bürgerkriegs beklagen und der drängende Wunsch, alles was geschieht akribisch festzuhalten, hindert sie, die vorbereitete Flucht nach London anzutreten. – Der Schreibstil des Romans bleibt trotz allem sachlich und fundiert. Geschickt verwebt die Autorin Familien- und Landesgeschichte, sodass sich Unterhaltung und Information gleichermaßen die Hand geben. – Absolute Empfehlung!
Gabriele Berberich
rezensiert für den Borromäusverein.
Der brennende Garten
V. V. Ganeshananthan ; aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz
Tropen (2025)
453 Seiten
fest geb.