Zweifelssohn
Zweifelssohn reist von Wien ausgehend durch verschiedene deutsche Städte wie Berlin, München, Erlangen, Nürnberg, Weimar, Rügen und Hiddensee. Diesen Roadtrip unternimmt er als therapeutische Maßnahme. Er sucht Orientierung in einer Welt, die
zunehmend von Unsicherheit, Spannungen und Gewalt geprägt scheint. Ob im Zug, bei Begegnungen mit Freunden, im Urlaub mit der Freundin oder allein: Immer stößt er auf Zeichen persönlicher und gesellschaftlicher Gewalt. Aus jüdischer Sicht nimmt er vieles davon besonders aufmerksam wahr. Stets begleitet ihn die Frage, wie Gewalt entsteht und warum sie immer wieder zurückkehrt. Vergeblich versucht er, sich an die Oberflächlichkeit des Lebens zu halten: an Musik, Mode, Exzesse und die Verheißungen der Gegenwart. Doch stets drängt sich die Gewalt unaufhaltsam in sein Bewusstsein, als Vorahnung einer Zukunft, die bereits begonnen hat. Zweifelssohn sieht das Ende der Welt rasant nahen. – In 50 Kapiteln gibt es zwar einige Minimalhandlungen, aber eher liest sich dieses Buch – einen Roman würde ich es nicht nennen – als eine Aufzählung von Skizzen und Überlegungen zur deutschen Geschichte, zu Hinterlassenschaften der NS-Zeit und jüdischer Traumata. Ein Buch, dem man entweder beeindruckt folgt oder es rasch zur Seite legt.
Silvia Eilers
rezensiert für den Borromäusverein.
Zweifelssohn
Max Czollek
Tropen (2026)
200 Seiten
fest geb.