Lilianas unvergänglicher Sommer
Die mexikanische Autorin Cristina Rivera Garza macht sich in ihrem Memoire auf die Suche nach Gerechtigkeit für ihre Schwester Liliana, deren Tod eine allgegenwärtige schmerzhafte Erinnerung für sie und die Familie bedeutet. Sie war mit zwanzig
Jahren von ihrem Ex-Freund Angel Gonzales Ramos erstickt worden, nachdem sie sich von ihm getrennt hatte. Der Mann ist nie verurteilt worden, weil er sich ins Ausland abgesetzt hat. Nach fast dreißig Jahren begibt sich die Autorin auf die Spurensuche, doch bei der Staatsanwaltschaft ist die Akte nicht auffindbar. So macht sie sich daran, ein persönliches Archiv aufzubauen aus Interviews von Freunden und Freundinnen und aus Lilianas in Kartons verstauten Schriftwerken, den unzähligen Zetteln, Tagebuchnotizen und Briefentwürfen. – Cristina Rivera Garza ist Soziologin, und so verbindet sie die persönliche Ebene mit Reflexionen über sexuelle Gewalt und die Ermordung von Frauen in Mexiko und der Welt. Seit 2012 ist Femizid in Mexiko zwar als Straftatbestand anerkannt, doch verlaufen viele Fälle im Sande. Diese strukturellen Defizite benennt die Autorin, doch bleibt es ein sehr persönliches Buch. Keine leichte Lektüre, doch die Mehrstimmigkeit fordert zum Weiterlesen auf. – Das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Werk kann empfohlen werden.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Lilianas unvergänglicher Sommer
Cristina Rivera Garza ; übersetzt von Johanna Schwering
Klett-Cotta (2025)
330 Seiten
fest geb.