Ich habe den Tod gerettet

Eine jüngere Frau steigt in Prag in einen Zug, setzt sich ans Fenster und schaut hinaus. Die vorüberziehende Umwelt weckt in ihr kaleidoskopartig Lebenserinnerungen. Dabei stehen die Erlebnisse der Kindheit mit ihrer Schwester Madlenka im Mittelpunkt. Ich habe den Tod gerettet Diese erkrankte als Kind an Krebs, gesundete zwar wieder, aber ein späterer Rückschlag führte zu ihrem frühen Tod. In Fetzen taucht die zerbrechende Familie auf und der jetzige Zustand der Protagonistin, die zwar hoffnungsvoll ein Studium begann, nun aber sprachlos als Putzhilfe lebt. Viel Raum nimmt die Erinnerung der Ich-Erzählerin an den slawischen Frühlingsbrauch ein, bei dem eine Morana genannte Strohpuppe ins Wasser geworfen wird. Einmal zieht die Protagonistin diese Puppe aus dem Bach und versteckt sie. Die Figur symbolisiert den Tod; daher auch der Romantitel. – Gegliedert ist der Roman durch eingefügte Lautmalerei von Fahrtgeräuschen. Dadurch erhält er eine eigene Dynamik jenseits der Worte und Erinnerungsbilder. Die Passagen über das dörfliche Geschehen – aus der Perspektive von heranwachsenden Mädchen – zeigen die moderne tschechische Gesellschaft ohne Anspielungen auf die Vergangenheit oder Einbettung in die Geschichte.

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Ich habe den Tod gerettet

Ich habe den Tod gerettet

Lucie Faulerová ; aus dem Tschechischen von Julia Miesenböck
Frankfurter Verlagsanstalt (2026)

253 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 626902
ISBN 978-3-627-00352-4
9783627003524
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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