Raus bist du noch lange nicht
Alice arbeitet noch nicht allzu lange Zeit in einer Kita in Berlin. Dort lernt sie Christin kennen, die nach einem Auslandsjahr in Frankreich wieder nach Deutschland in ihren alten Job zurückgekehrt ist. Alice und Christin verstehen sich zwischen
aufgeregten Eltern und schniefenden Kindern auf Anhieb wunderbar und bauen schnell eine gute und enge Freundschaft auf. Doch die letzte Freundschaft, die Alice eingegangen ist in der „geilsten WG aller Zeiten“ mit Mo, Reike und Yv, wirkt noch negativ nach. Damals war anfangs auch alles genial, bis die Beziehungen untereinander von Misstrauen, Manipulation und Fremdbestimmung geprägt waren und die Situation eskalierte. Deshalb ist Alice dieses Mal vorsichtiger und beobachtet genau, wie Christin sich verhält. Ob es sich lohnt, noch einmal so viel Nähe zuzulassen. Hinzu kommen Spannungen in der Beziehung zu ihrem Freund. Alice muss nun für sich entscheiden, welche Menschen ihr guttun und wen sie an sich heranlassen will. – Vor allem die Rückblicke, die Julia Rothenburger in ihre Geschichte einbaut, zeichnen ein klares Bild der Beziehungen der Hauptfiguren untereinander. Die Sprache ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und klingt eher wie eine Aneinanderreihung von Gedanken, die vielleicht nicht jedermanns Sache ist, aber je tiefer man in den Roman einsteigt, desto angenehmer ist das Leseerlebnis. Ein sehr ehrlicher Roman über Freundschaften und Beziehungen und darüber, wofür es sich lohnt zu kämpfen und darüber, wann man lieber loslassen soll.
Sonja Gast
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Raus bist du noch lange nicht
Julia Rothenburg
Frankfurter Verlagsanstalt (2026)
252 Seiten
fest geb.