Papst Franziskus
Noch ein Porträt über Papst Franziskus? Ist nicht längst - für die ersten Monate seiner Amtszeit jedenfalls - alles gesagt? Was hat dieses Buch zu bieten, das andere nicht haben (s. BP/mp 13/264 - 267)? Diese Fragen drängen sich auf, wenn gut
drei Monate nach den ersten Büchern zu Papst Franziskus noch ein Porträt zum neuen Papst auf den Markt kommt. Natürlich erfindet Erbacher, Vatikan-Korrespondent des ZDF, das Rad nicht neu. Auch er plaudert aus dem Nähkästchen des Konklave (aber nicht so aufgebauscht wie Andreas Englisch), schildert die Lebensgeschichte des Jorge Mario Bergoglio und analysiert die gegenwärtige Situation der katholischen Kirche. Die Details machen den Unterschied. Erbacher stellt Zusammenhänge her, leuchtet sorgfältig Hintergründe aus (zur Befreiungstheologie, zu den "heißen Eisen" usw.) und macht deutlich: Von Franziskus mögen zwar keine revolutionären Änderungen in der Lehre zu erwarten sein, doch sein Stil - pastoraler, näher bei den Menschen, auch bei denen, die nicht zur Kirche gehören, eine deutlich sichtbare Option für die Armen - wird für "spannende und unruhige Zeiten" sorgen. - Bestens informiert, gut strukturiert und durch sechs Stellungnahmen deutschsprachiger Kardinäle ergänzt legt Jürgen Erbacher hier ein lesenswertes Porträt von Papst Franziskus vor. Allen Büchereien empfohlen, vor allem dort, wo noch kein anderes Buch zum neuen Papst vorhanden ist.
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Papst Franziskus
Jürgen Erbacher
Pattloch (2013)
175 S.
fest geb.