Fremde
Belle und ihr Mann James haben viel gemeinsam. Drei Kinder, viel Geld und ihre Liebe zueinander vervollkommnen das Glück – scheinbar. Eines Tages, aus heiterem Himmel, verkündet James, er wolle die Scheidung. Kurz zuvor hatte Belle erfahren, dass
er eine Affäre mit einer Arbeitskollegin hat. Es ist März 2020, Lockdown, und James sagt: „Ich gehe!“ Dabei wähnte sich Belle in einer perfekten Ehe, einst gab sie ihre Arbeit als Anwältin auf, um sich ganz der Familie zu widmen. Schonungslos beschreibt sie in fünf „Abschnitten“, wie sich das Drama abspielt. In Teil 1 thematisiert sie die plötzliche Trennung, die sie ebenso rat- wie hilflos zurücklässt. Teil 2 blickt in die Vergangenheit: Das Kennenlernen, den Aufbau des gemeinsamen Lebens, die Familie – und den Ehevertrag. Teil 3 schildert die erste Zeit des Bruches. Nach einer gemeinsamen persönlichen Erklärung an die Kinder, geht James wohl wieder zu der – verheirateten – Frau zurück, die ein Kind von ihm erwartet und einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Die Autorin berichtet schonungslos ehrlich über ihre physische und psychische Verfassung, wie sie von einer Depression in die nächste rutscht, sozial geächtet, aber auch von verschiedenen Personen wieder aufgefangen wird. Dabei vermeidet sie tunlichst, ihren Mann schlecht darzustellen, im Gegenteil: immer stellt sie sich die Frage, was SIE falsch gemacht oder übersehen haben könnte. Sie kämpft sich zurück in ihren Beruf als Anwältin und beginnt schließlich, die Geschichte ihrer Ehe niederzuschreiben. Teil 5 schließlich beschreibt den Status quo. – Diese ehrliche, aufrechte – und ja – auch unterhaltsame Biografie einer Ehe verdient höchsten Respekt, auch weil sie nicht anklagt, sondern reflektiert schildert. Belle Burden ist mit der traurigen Geschichte einer Trennung ein phänomenales Erstlingswerk gelungen, das unweigerlich seine Leserinnen finden wird. Das Buch sei jedoch auch den Herren zum Lesen sowie für jeglichen Bestand empfohlen.
Sabine Tischhöfer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Fremde
Belle Burden ; aus dem Amerikanischen von Charlotte Breuer
Luchterhand (2026)
302 Seiten
fest geb.