Die Tore von Gaza
Als am 7. Oktober 2023 die terroristische Hamas über 1.200 Menschen ermordete und 251 weitere als Geiseln nach Gaza verschleppte, musste der israelische Autor und Journalist Amir Tibon, der mit seiner Familie im grenznahen Kibbuz Nahal Oz lebte, zusammen
mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern im Schutzraum ihres Hauses unter extremen körperlichen und seelischen Belastungen 10 Stunden ausharren, ehe sie von seinem Vater gerettet wurden. Der Leser erfährt von diesen Ereignissen aus der Perspektive eines Zeugen, der selbst nichts tun konnte, aber auf das Eingreifen der Regierung und des Militärs vertraute, was jedoch nicht bzw. zu spät geschah. Neben diesen detailgetreu wiedergegebenen Geschehnissen über den Überfall auf den Kibbuz Nahal Oz widmet sich der Autor der Entwicklung des Ortes, dem Lebensgefühl der dort Lebenden, ihrem Idealismus und Engagement, aber auch der konfliktreichen Geschichte des Staates Israel und den ebenso konfliktreichen Beziehungen zu seinen Nachbarstaaten. Dass in den letzten Jahren das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern durch die Hinwendung der Regierung zu nationalistisch ultra-religiösen Gruppierungen und den daraus resultierenden Fehlentscheidungen einen Tiefpunkt erreichte und letztlich zu vermehrten Anschlägen sowie zum Massaker am 7.10. führte, darf – so Tibon – nicht vergessen machen, dass es in den Grenzregionen nicht immer nur Hass und Feindseligkeiten gab, sondern auch regen Austausch, in dem Einkaufen, Restaurant- und Strandbesuche in Gaza zur Normalität der Kibbuz-Bewohner gehörten. Aufgrund intensiver Quellenarbeit kritisiert der Autor das Versagen der gegenwärtigen Regierung unter Netanjahu. – Ein wichtiges Buch!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Tore von Gaza
Amir Tibon ; aus dem Englischen von Ursula Kömen
Jüdischer Verlag (2024)
427 Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.