Ulysse & Cyrano
Ulysse Ducerfs Lebensweg scheint vorherbestimmt: Als einziger Sohn des größten französischen Zementfabrikanten wächst der nur mittelmäßige, kurz vor seinem Schulabschluss stehende Schüler in einem äußerst luxuriösen Haushalt im Paris der
1950er-Jahre heran und soll eines Tages das Firmenimperium erben. Doch als sein Vater der Kollaboration mit den Deutschen im Zweiten Weltkrieg beschuldigt wird, wird er zusammen mit seiner Mutter ins ländliche Frankreich geschickt, um den Anfeindungen zu entgehen. Durch einen Zufall lernt er dort den zurückgezogen lebenden ehemaligen Sternekoch Cyrano kennen, der einst aus Wut über seine Niederlage in einem Preiswettbewerb sein Lokal angezündet hat. Diese Schmach hat er bis heute nicht überwunden und ist keineswegs mit sich im Reinen. Cyrano weckt dennoch in Ulysse die Leidenschaft für das Kochen und die Kreation erlesener Gerichte. Doch es ist für Ulysse trotz mancher Unterstützungen aus seinem Umfeld ein weiter und von Rückschlägen geprägter Weg, bis er sich gegen seinen Vater und für eine Existenz als ein mit Auszeichnungen bedachter Nachwuchskoch entscheiden und diese leben kann. – Diese sehr ansprechend, oft mit warmen Farben illustrierte Graphic Novel ist ein Lesegenuss, der sich aber vielleicht erst auf den zweiten Blick erschließt. Die Graphic Novel wird im Bestand sicher nicht zu einem Selbstläufer und bedarf daher auch der Empfehlung und Vermittlung. Denn jenseits der kulinarischen Thematik wird hier auf einer Metaebene der schwierige Weg der Selbstfindung eines heranwachsenden jungen Mannes auf hervorragende Weise thematisiert. – Empfehlenswert.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Ulysse & Cyrano
Zeichnungen: Stéphane Servain ; Szenario: Xavier Dorison & Antoine Cristau ; aus dem Französischen von Tanja Krämling
Splitter (2026)
167 Seiten : farbig
fest geb.