Menschen wie wir
Thao wächst bis zu ihrem 13. Lebensjahr in Vietnam auf, bis ihr Vater, der viele Jahre zuvor als Vertragsarbeiter in die DDR ging, seine Familie nach Deutschland holt. Bis zur Rückkehr ihrer Eltern nach Vietnam, als sie Mitte 30 ist, muss Thao sich
in Behörden- und Gesundheitsfragen und allem, was den Aufenthaltstitel angeht, um die Belange ihrer Eltern kümmern. Diese arbeiten unermüdlich und akzeptieren die anstrengenden Bedingungen, unter denen sie leben müssen. Doch eine echte Kommunikation in der Familie gibt es kaum – sie kennen einander viel zu wenig. Alle leiden unter den Erwartungshaltungen und Klischeebildern der Ämter, Arbeitgeber und Kolleg:innen über asiatische Menschen. Die Autorin erzählt ihre Geschichte und die ihrer Familie in Rückblicken, die immer mehrere Jahre auseinanderliegen und jeweils eine neue Ebene der Entwicklung beschreiben. Die Sprache ist fein, liebevoll, ehrlich – und sie ist leise und zugleich mächtig in ihren Aussagen. Ohne Pathos erzählt sie vom Grund der Auswanderung, von Armut und Durchhaltevermögen, von Erniedrigung und Fortschritten, von der Liebe, die letztlich auch die Familie nach langer Zeit wieder füreinander ausdrücken kann. – Ein wunderbares Buch, das sehr eindrücklich und persönlich die Nöte von Migration und Rassismus schildert, die Leser:innen mitnimmt und im Herzen berührt! Sehr empfohlen!
Susanne Körber
rezensiert für den Borromäusverein.
Menschen wie wir
Thi Thanh Thao Tran
Leykam Verlag (2026)
280 Seiten
fest geb.
Auszeichnung: Roman des Monats