Heim holen
„Heim holen“ von Katherina Braschel ist ein autofiktionaler Roman, der die Nachforschungen einer "Third Generation"-Enkelin über die Nazi-Verstrickungen ihres Opas zum Thema hat. Die Ich-Erzählerin Lina wächst in Salzburg in einer Gemeinschaft
von Donauschwaben auf. Feste, Bräuche und Vereine prägen diese Welt ebenso wie die Erzählungen von Vertreibung und Verlust der Heimat. Aufgrund einer Aussage ihrer Mutter erforscht Lina die Vergangenheit ihrer aus Belgrad stammenden Großeltern und entdeckt, dass der Großvater 1941 dort der SS beitrat und an einer Außenstelle des KZ Dachau stationiert war. Schockiert von der Erkenntnis, dass ihr liebevoller Opa womöglich ein Kriegsverbrecher war, beginnt sie, die genauen Details zu recherchieren. Parallel dazu nehmen wir Teil an Linas Alltag, der sich als starker Kontrast zu der düsteren Vergangenheit um Partys, Freunde treffen und Dating-Apps dreht. Teilweise wirken die Unterhaltungen über Linas Nachforschungen etwas konstruiert. Dennoch ein lesenswertes Debüt, im Text wird konsequent mit Sonderzeichen gendert, zudem das genderneutrale Pronomens „dey“ verwendet.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Heim holen
Katherina Braschel
Residenz Verlag (2026)
269 Seiten
fest geb.