In den Händen der Ärzte
Ignaz Semmelweis kämpfte sein Berufsleben lang vergeblich gegen miserable hygienische Zustände, beschimpfte in öffentlichen Briefen andere Ärzte als "Massenmörder" und starb unter mysteriösen Umständen in der Psychiatrie, in die ihn seine Frau
hatte einweisen lassen. Wir begeben uns auf die Reise nach Wien zwischen 1846 und 1850, in die Geburtsklinik des Wiener Allgemeinen Krankenhauses und beginnen bei einer Waschschüssel. Der Arzt, der den Kampf gegen das Kindbettfieber zu seiner Lebensaufgabe machte, liefert wie kaum ein anderer eine gute Story: für Romane, Biographien und Sachbücher. Anna Durnovás Darstellung changiert dazwischen. Für die Anerkennung der Wahrheit, dass die schmutzigen Hände der Ärzte gebärende Frauen infizierten, musste Dr. Semmelweis hart kämpfen. Seine Lebensgeschichte, die bis heute immense Bedeutung hat, lässt tief in die faszinierende Welt der wissenschaftlichen Entdeckungen und Intrigen blicken, wobei die wissenschaftliche Darstellung etwas zu kurz kommt. Mittig im Buch findet sich ein Bildteil mit Farbaufnahmen von Geburtshaus, Denkmälern usw. Das Buch liest sich kurzweilig, informativ und authentisch und ist daher für alle Leser/-innen von Biographien geeignet. Für alle Bestände empfohlen.
Gudrun Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
In den Händen der Ärzte
Anna Durnová
Residenz-Verl. (2015)
242, [8] S. : Ill. (z.T. farb.)
fest geb.